Öffentlicher Dienst

TVöD und TV-L verstehen – Entgeltgruppen, Stufen und Jahresbrutto im öffentlichen Dienst

Der Ratgeber erklärt Entgeltgruppen, Stufenlogik, Tarifgebiete TVöD-Bund, TVöD-VKA, TV-L, TV-H und die wichtigsten Sonderregeln wie Jahressonderzahlung, Leistungsentgelt und VBL.

Aktualisiert am 21.04.2026 Zuordnung: TVöD und TV-L

TVöD, TV-L und die Welt des öffentlichen Dienstes

Der deutsche öffentliche Dienst beschäftigt rund 5 Millionen Menschen – in Behörden, Schulen, Universitäten, Kommunen, Krankenhäusern und Verkehrsbetrieben. Welcher Tarifvertrag gilt, hängt vom Arbeitgeber ab:

Arbeitgeber Tarifvertrag
Bundesverwaltung, BImA, Bundesagentur für Arbeit TVöD-Bund
Kommunen, kommunale Versorger, kommunale Krankenhäuser TVöD-VKA
Bundesländer (außer Hessen) TV-L
Hessen TV-H
Bayerische Universitäten und Hochschulen TV-L mit Ergänzungen

Innerhalb des TVöD und des TV-L gibt es zusätzlich Spartenregelungen für bestimmte Berufsgruppen:

  • TVöD-SuE: Sozial- und Erziehungsdienst (Erzieher, Sozialarbeiter)
  • TVöD-Pflege: Krankenpflege und Pflegehilfsdienst
  • TVöD-V: Verwaltung
  • TVöD-K: Krankenhäuser
  • TV-Ä: Ärzte an kommunalen Krankenhäusern

Wer als Beschäftigter im öffentlichen Dienst sein Tabellenentgelt einordnen möchte, sollte zunächst klären, welcher Tarifvertrag und welche Sparte zum Arbeitgeber passt. Erst dann lassen sich Entgeltgruppe und Stufe richtig zuordnen. Der TVöD-Rechner und der TV-L-Rechner bilden die unterschiedlichen Tabellen separat ab.

Entgeltgruppe und Stufe: zwei Achsen einer Tabelle

Das Tarifgehalt setzt sich aus zwei Dimensionen zusammen:

Dimension Bedeutung
Entgeltgruppe (EG) Niveau der Tätigkeit, Anforderung an Qualifikation, Verantwortung, Bedeutung
Stufe Erfahrungsstufe innerhalb dieser Entgeltgruppe

Im TVöD gibt es die Entgeltgruppen E1 bis E15. Eine grobe Zuordnung:

Entgeltgruppe Typische Tätigkeit
E1 bis E4 Helfer, einfache Sachbearbeitung, Reinigungsdienst
E5 bis E8 Fachkraft mit Ausbildung, mittlere Verwaltungstätigkeit
E9 bis E11 Gehobener Dienst, Sachbearbeitung mit Bachelor
E12 bis E13 Höherer Dienst, Master oder gleichwertige Qualifikation
E14 bis E15 Leitungspositionen, Referatsleitung, Lehrkraft mit Lehrbefähigung

Innerhalb jeder Entgeltgruppe gibt es sechs Stufen (E1 hat nur Stufen 1 bis 6, im TVöD-VKA gelten leichte Sonderregeln). Vom Eintritt (Stufe 1) in eine Stufe in der nächsten dauert es:

Aufstieg Stufenlaufzeit
Stufe 1 → 2 1 Jahr
Stufe 2 → 3 2 Jahre
Stufe 3 → 4 3 Jahre
Stufe 4 → 5 4 Jahre
Stufe 5 → 6 5 Jahre

In Summe sind das 15 Jahre bis zur Endstufe. Bei „besonderer Leistung" kann diese Zeit verkürzt werden („Stufenverkürzung"), bei Schwerbehindertenvertretung oder mit Tarifvorerfahrung können Quereinsteiger in höhere Stufen eingruppiert werden („Vorweggewährung").

Beispieltabelle TVöD-VKA Tabellenentgelt (vereinfacht)

Die monatlichen Tabellenentgelte werden bei jeder Tarifrunde neu festgelegt. Eine vereinfachte Übersicht für 2026 (Werte sind gerundet und gelten als Anhaltspunkt):

EG Stufe 1 Stufe 3 Stufe 6
E5 2.928 € 3.245 € 3.570 €
E8 3.281 € 3.679 € 4.052 €
E9b 3.566 € 4.043 € 4.510 €
E10 3.881 € 4.488 € 5.018 €
E11 4.158 € 4.890 € 5.554 €
E12 4.629 € 5.555 € 6.516 €
E13 5.003 € 6.062 € 7.034 €
E14 5.404 € 6.561 € 7.640 €
E15 5.866 € 7.111 € 8.290 €

Diese Werte beziehen sich auf das Tabellenentgelt in Vollzeit (39 Stunden/Woche im Westen, ggf. abweichend in einzelnen Tarifgebieten). Zulagen, Schichtzuschläge und Sonderzahlungen kommen ggf. hinzu.

Jahressonderzahlung („Weihnachtsgeld")

Im TVöD wird einmal pro Jahr eine Jahressonderzahlung gezahlt, in der Regel im November. Sie ist ein Prozentsatz des durchschnittlichen Tabellenentgelts der Monate Juli, August, September:

Bereich E1 bis E8 E9 bis E12 E13 bis E15
TVöD-Bund 90 % 80 % 60 %
TVöD-VKA West 84,51 % 70,28 % 51,78 %
TVöD-VKA Ost 84,51 % 70,28 % 51,78 %
TV-L 95 % 80 % 35 %

Eine E10-Stufe-3-Fachkraft im TVöD-VKA West bekommt also ca. 4.488 × 70,28 % = 3.154 € als Jahressonderzahlung – im November einmalig.

Leistungsentgelt im TVöD

Im TVöD ist zusätzlich ein Leistungsentgelt vorgesehen. Es soll Leistungsanreize schaffen und beträgt im Durchschnitt 2 % der ständigen Monatsentgelte. Die genaue Verteilung regelt jede Dienststelle in einer Dienstvereinbarung. Die einzelnen Beträge können daher von Behörde zu Behörde stark variieren, einige Dienststellen schütten gar nicht aus.

Teilzeit und Wochenstunden

Teilzeitbeschäftigung im öffentlichen Dienst senkt das Tabellenentgelt anteilig:

  • Vollzeit-Wochenstunden bei TVöD-VKA: 39 Stunden (West), 39 Stunden (Ost, seit Angleichung)
  • Vollzeit-Wochenstunden bei TVöD-Bund: 39 Stunden
  • Vollzeit-Wochenstunden bei TV-L: 39,2 oder 40 Stunden (je nach Land)

Wer 30 Wochenstunden arbeitet, erhält bei 39-Stunden-Vollzeit 30 ÷ 39 ≈ 76,9 % des Tabellenentgelts. Eine E9-Stelle in Stufe 3 mit 30 Wochenstunden bringt also 4.043 × 76,9 % ≈ 3.109 € pro Monat brutto.

Die Stufenlaufzeit läuft bei Teilzeit wie bei Vollzeit weiter – Sie verlieren also nichts an Erfahrungsentwicklung.

VBL: betriebliche Altersversorgung im öffentlichen Dienst

Die VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder) ist die Pflicht-Zusatzversorgung für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst. Sie funktioniert nach dem Punktemodell:

  • Pro Monat werden Versorgungspunkte angesammelt, abhängig vom Einkommen und vom Alter.
  • Bei Renteneintritt werden die Punkte mit dem Messbetrag multipliziert und ergeben die Betriebsrente.
  • Beiträge: 8,86 % vom zusatzversorgungspflichtigen Entgelt (West) bzw. 1,3 % im Pflichtbeitrag der VBLklassik (Ost).
  • Arbeitgeberanteil: deutlich höher als der Arbeitnehmeranteil.

Die genaue Höhe der VBL-Rente ist erst zum Rentenbeginn klar – sie hängt von Versorgungspunkten, Einkommensentwicklung und Eintrittsalter ab. Als grobe Faustregel: 10 bis 15 % zusätzlich zur gesetzlichen Rente.

Vom Brutto zum Netto im öffentlichen Dienst

Das Tabellenentgelt ist immer Brutto. Vom Brutto gehen wie bei jedem Angestellten Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer ab. Eine Besonderheit: Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst sind regulär gesetzlich krankenversichert, ohne Möglichkeit der PKV-Wahl bei Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze (anders als in der Privatwirtschaft, wo die PKV bei höherem Einkommen wählbar ist – im öffentlichen Dienst zahlt der Arbeitgeber bei freiwilliger GKV oder PKV mit dem Beihilfeprinzip).

Ein Beispiel für eine E9-Stufe-3-Fachkraft in Vollzeit (4.043 € Brutto, Steuerklasse I, GKV mit 1,7 % Zusatzbeitrag, kinderlos):

Block Betrag
Bruttoentgelt 4.043,00 €
Rentenversicherung (9,3 %) -376,00 €
Arbeitslosenversicherung (1,3 %) -52,56 €
Krankenversicherung (8,15 %) -329,50 €
Pflegeversicherung (2,3 %) -93,00 €
VBL-Eigenanteil (ca. 1,41 %) -57,00 €
Lohnsteuer (gerundet) -540,00 €
Netto ca. 2.595 €

Plus Jahressonderzahlung im November (anteilig im Monatsdurchschnitt rund 263 € zusätzlich pro Monat) ergibt sich ein Jahresnetto von rund 31.000 €. Der Brutto-Netto-Rechner übernimmt diese Detailrechnung.

Beispielwege durch die Tabelle

Ein Sachbearbeiter im Sozialamt (E9, Stufe 1, Eintritt mit 30 Jahren):

Jahr Stufe Tabellenwert
1 Stufe 1 3.566 €
2 Stufe 2 3.792 €
4 Stufe 3 4.043 €
7 Stufe 4 4.265 €
11 Stufe 5 4.385 €
16 Stufe 6 4.510 €

Über 15 Jahre wächst das Tabellenentgelt also um rund 26 % – das ist die Stufenentwicklung, ohne Tariferhöhungen. Wer zusätzlich Tariferhöhungen von z. B. 3 % pro Jahr einrechnet, kommt nach 15 Jahren auf ein Tabellenentgelt deutlich oberhalb von 7.000 €.

Typische Fehler

  • TVöD und TV-L verwechseln: Beide Tarifwerke haben unterschiedliche Tabellen und Sonderregeln.
  • Stufenlaufzeit ignorieren: Vorgehalt zählt nicht automatisch, sondern muss bei Vertragsabschluss verhandelt werden.
  • Brutto mit Netto vergleichen: Tabellenentgelt ist immer Brutto.
  • Zulagen mit Tabellenentgelt zusammenrühren: Schicht-, Wechselschicht-, Ballungsraum- und Funktionszulagen kommen separat dazu.
  • Jahressonderzahlung mit Weihnachtsgeld der Privatwirtschaft vergleichen: Im TVöD ist sie tariflich fest geregelt und prozentual zu unterschiedlichen Entgeltgruppen gestaffelt.

Fazit

Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder einen Wechsel prüft, sollte zuerst die richtige Tabelle finden (TVöD-Bund, TVöD-VKA, TV-L, TV-H) und dann Entgeltgruppe, Stufe und Wochenstunden korrekt einordnen. Erst dann ergibt der Blick auf Netto, Jahresbrutto und Lebensentwicklung der Stufen ein vollständiges Bild. Mit dem TVöD-Rechner und dem TV-L-Rechner auf Ultra-Rechner können Sie das saubere Brutto ermitteln und es per Brutto-Netto-Rechner weiter zerlegen.

Quellen

  • TVöD – Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – bmi.bund.de
  • TV-L – Tarifvertrag der Länder – tdl-online.de
  • ver.di – Tarifinformationen für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes – verdi.de
  • VBL – Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder – vbl.de

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Warum gibt es so viele Tarifverträge im öffentlichen Dienst?

Die Beschäftigung erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Bund und Kommunen wenden den TVöD an, die Bundesländer den TV-L (außer Hessen, das einen eigenen TV-H hat). Innerhalb des TVöD gibt es zudem eigene Sparten wie TVöD-Bund, TVöD-VKA, TVöD-SuE für Sozial- und Erziehungsdienst und TVöD-Pflege.

Was bedeutet eine Stufenlaufzeit von 4 Jahren?

Innerhalb einer Entgeltgruppe rückt der Beschäftigte nach festen Zeiträumen in die nächste Stufe auf. Vom Eintritt (Stufe 1) bis zur höchsten Stufe 6 vergehen je nach Entgeltgruppe und Tätigkeit etwa 15 Jahre. Bei besonderer Leistung kann die Stufenzeit verkürzt werden.

Wie hoch ist die Jahressonderzahlung im TVöD?

Sie liegt für die meisten Entgeltgruppen zwischen 75 und 95 % eines durchschnittlichen Monatsentgelts und wird im November ausgezahlt. Bei höheren Entgeltgruppen (E13 aufwärts) ist sie auf 51,78 % gedeckelt; bei niedrigeren Entgeltgruppen (E1 bis E8) liegt sie höher.

Was ist die VBL?

Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder ist die betriebliche Altersversorgung für tarifbeschäftigte Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Sie zahlt nach dem Erreichen des Renteneintrittsalters zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine Betriebsrente.

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