TVöD, TV-L und die Welt des öffentlichen Dienstes
Der deutsche öffentliche Dienst beschäftigt rund 5 Millionen Menschen – in Behörden, Schulen, Universitäten, Kommunen, Krankenhäusern und Verkehrsbetrieben. Welcher Tarifvertrag gilt, hängt vom Arbeitgeber ab:
| Arbeitgeber | Tarifvertrag |
|---|---|
| Bundesverwaltung, BImA, Bundesagentur für Arbeit | TVöD-Bund |
| Kommunen, kommunale Versorger, kommunale Krankenhäuser | TVöD-VKA |
| Bundesländer (außer Hessen) | TV-L |
| Hessen | TV-H |
| Bayerische Universitäten und Hochschulen | TV-L mit Ergänzungen |
Innerhalb des TVöD und des TV-L gibt es zusätzlich Spartenregelungen für bestimmte Berufsgruppen:
- TVöD-SuE: Sozial- und Erziehungsdienst (Erzieher, Sozialarbeiter)
- TVöD-Pflege: Krankenpflege und Pflegehilfsdienst
- TVöD-V: Verwaltung
- TVöD-K: Krankenhäuser
- TV-Ä: Ärzte an kommunalen Krankenhäusern
Wer als Beschäftigter im öffentlichen Dienst sein Tabellenentgelt einordnen möchte, sollte zunächst klären, welcher Tarifvertrag und welche Sparte zum Arbeitgeber passt. Erst dann lassen sich Entgeltgruppe und Stufe richtig zuordnen. Der TVöD-Rechner und der TV-L-Rechner bilden die unterschiedlichen Tabellen separat ab.
Entgeltgruppe und Stufe: zwei Achsen einer Tabelle
Das Tarifgehalt setzt sich aus zwei Dimensionen zusammen:
| Dimension | Bedeutung |
|---|---|
| Entgeltgruppe (EG) | Niveau der Tätigkeit, Anforderung an Qualifikation, Verantwortung, Bedeutung |
| Stufe | Erfahrungsstufe innerhalb dieser Entgeltgruppe |
Im TVöD gibt es die Entgeltgruppen E1 bis E15. Eine grobe Zuordnung:
| Entgeltgruppe | Typische Tätigkeit |
|---|---|
| E1 bis E4 | Helfer, einfache Sachbearbeitung, Reinigungsdienst |
| E5 bis E8 | Fachkraft mit Ausbildung, mittlere Verwaltungstätigkeit |
| E9 bis E11 | Gehobener Dienst, Sachbearbeitung mit Bachelor |
| E12 bis E13 | Höherer Dienst, Master oder gleichwertige Qualifikation |
| E14 bis E15 | Leitungspositionen, Referatsleitung, Lehrkraft mit Lehrbefähigung |
Innerhalb jeder Entgeltgruppe gibt es sechs Stufen (E1 hat nur Stufen 1 bis 6, im TVöD-VKA gelten leichte Sonderregeln). Vom Eintritt (Stufe 1) in eine Stufe in der nächsten dauert es:
| Aufstieg | Stufenlaufzeit |
|---|---|
| Stufe 1 → 2 | 1 Jahr |
| Stufe 2 → 3 | 2 Jahre |
| Stufe 3 → 4 | 3 Jahre |
| Stufe 4 → 5 | 4 Jahre |
| Stufe 5 → 6 | 5 Jahre |
In Summe sind das 15 Jahre bis zur Endstufe. Bei „besonderer Leistung" kann diese Zeit verkürzt werden („Stufenverkürzung"), bei Schwerbehindertenvertretung oder mit Tarifvorerfahrung können Quereinsteiger in höhere Stufen eingruppiert werden („Vorweggewährung").
Beispieltabelle TVöD-VKA Tabellenentgelt (vereinfacht)
Die monatlichen Tabellenentgelte werden bei jeder Tarifrunde neu festgelegt. Eine vereinfachte Übersicht für 2026 (Werte sind gerundet und gelten als Anhaltspunkt):
| EG | Stufe 1 | Stufe 3 | Stufe 6 |
|---|---|---|---|
| E5 | 2.928 € | 3.245 € | 3.570 € |
| E8 | 3.281 € | 3.679 € | 4.052 € |
| E9b | 3.566 € | 4.043 € | 4.510 € |
| E10 | 3.881 € | 4.488 € | 5.018 € |
| E11 | 4.158 € | 4.890 € | 5.554 € |
| E12 | 4.629 € | 5.555 € | 6.516 € |
| E13 | 5.003 € | 6.062 € | 7.034 € |
| E14 | 5.404 € | 6.561 € | 7.640 € |
| E15 | 5.866 € | 7.111 € | 8.290 € |
Diese Werte beziehen sich auf das Tabellenentgelt in Vollzeit (39 Stunden/Woche im Westen, ggf. abweichend in einzelnen Tarifgebieten). Zulagen, Schichtzuschläge und Sonderzahlungen kommen ggf. hinzu.
Jahressonderzahlung („Weihnachtsgeld")
Im TVöD wird einmal pro Jahr eine Jahressonderzahlung gezahlt, in der Regel im November. Sie ist ein Prozentsatz des durchschnittlichen Tabellenentgelts der Monate Juli, August, September:
| Bereich | E1 bis E8 | E9 bis E12 | E13 bis E15 |
|---|---|---|---|
| TVöD-Bund | 90 % | 80 % | 60 % |
| TVöD-VKA West | 84,51 % | 70,28 % | 51,78 % |
| TVöD-VKA Ost | 84,51 % | 70,28 % | 51,78 % |
| TV-L | 95 % | 80 % | 35 % |
Eine E10-Stufe-3-Fachkraft im TVöD-VKA West bekommt also ca. 4.488 × 70,28 % = 3.154 € als Jahressonderzahlung – im November einmalig.
Leistungsentgelt im TVöD
Im TVöD ist zusätzlich ein Leistungsentgelt vorgesehen. Es soll Leistungsanreize schaffen und beträgt im Durchschnitt 2 % der ständigen Monatsentgelte. Die genaue Verteilung regelt jede Dienststelle in einer Dienstvereinbarung. Die einzelnen Beträge können daher von Behörde zu Behörde stark variieren, einige Dienststellen schütten gar nicht aus.
Teilzeit und Wochenstunden
Teilzeitbeschäftigung im öffentlichen Dienst senkt das Tabellenentgelt anteilig:
- Vollzeit-Wochenstunden bei TVöD-VKA: 39 Stunden (West), 39 Stunden (Ost, seit Angleichung)
- Vollzeit-Wochenstunden bei TVöD-Bund: 39 Stunden
- Vollzeit-Wochenstunden bei TV-L: 39,2 oder 40 Stunden (je nach Land)
Wer 30 Wochenstunden arbeitet, erhält bei 39-Stunden-Vollzeit 30 ÷ 39 ≈ 76,9 % des Tabellenentgelts. Eine E9-Stelle in Stufe 3 mit 30 Wochenstunden bringt also 4.043 × 76,9 % ≈ 3.109 € pro Monat brutto.
Die Stufenlaufzeit läuft bei Teilzeit wie bei Vollzeit weiter – Sie verlieren also nichts an Erfahrungsentwicklung.
VBL: betriebliche Altersversorgung im öffentlichen Dienst
Die VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder) ist die Pflicht-Zusatzversorgung für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst. Sie funktioniert nach dem Punktemodell:
- Pro Monat werden Versorgungspunkte angesammelt, abhängig vom Einkommen und vom Alter.
- Bei Renteneintritt werden die Punkte mit dem Messbetrag multipliziert und ergeben die Betriebsrente.
- Beiträge: 8,86 % vom zusatzversorgungspflichtigen Entgelt (West) bzw. 1,3 % im Pflichtbeitrag der VBLklassik (Ost).
- Arbeitgeberanteil: deutlich höher als der Arbeitnehmeranteil.
Die genaue Höhe der VBL-Rente ist erst zum Rentenbeginn klar – sie hängt von Versorgungspunkten, Einkommensentwicklung und Eintrittsalter ab. Als grobe Faustregel: 10 bis 15 % zusätzlich zur gesetzlichen Rente.
Vom Brutto zum Netto im öffentlichen Dienst
Das Tabellenentgelt ist immer Brutto. Vom Brutto gehen wie bei jedem Angestellten Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer ab. Eine Besonderheit: Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst sind regulär gesetzlich krankenversichert, ohne Möglichkeit der PKV-Wahl bei Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze (anders als in der Privatwirtschaft, wo die PKV bei höherem Einkommen wählbar ist – im öffentlichen Dienst zahlt der Arbeitgeber bei freiwilliger GKV oder PKV mit dem Beihilfeprinzip).
Ein Beispiel für eine E9-Stufe-3-Fachkraft in Vollzeit (4.043 € Brutto, Steuerklasse I, GKV mit 1,7 % Zusatzbeitrag, kinderlos):
| Block | Betrag |
|---|---|
| Bruttoentgelt | 4.043,00 € |
| Rentenversicherung (9,3 %) | -376,00 € |
| Arbeitslosenversicherung (1,3 %) | -52,56 € |
| Krankenversicherung (8,15 %) | -329,50 € |
| Pflegeversicherung (2,3 %) | -93,00 € |
| VBL-Eigenanteil (ca. 1,41 %) | -57,00 € |
| Lohnsteuer (gerundet) | -540,00 € |
| Netto | ca. 2.595 € |
Plus Jahressonderzahlung im November (anteilig im Monatsdurchschnitt rund 263 € zusätzlich pro Monat) ergibt sich ein Jahresnetto von rund 31.000 €. Der Brutto-Netto-Rechner übernimmt diese Detailrechnung.
Beispielwege durch die Tabelle
Ein Sachbearbeiter im Sozialamt (E9, Stufe 1, Eintritt mit 30 Jahren):
| Jahr | Stufe | Tabellenwert |
|---|---|---|
| 1 | Stufe 1 | 3.566 € |
| 2 | Stufe 2 | 3.792 € |
| 4 | Stufe 3 | 4.043 € |
| 7 | Stufe 4 | 4.265 € |
| 11 | Stufe 5 | 4.385 € |
| 16 | Stufe 6 | 4.510 € |
Über 15 Jahre wächst das Tabellenentgelt also um rund 26 % – das ist die Stufenentwicklung, ohne Tariferhöhungen. Wer zusätzlich Tariferhöhungen von z. B. 3 % pro Jahr einrechnet, kommt nach 15 Jahren auf ein Tabellenentgelt deutlich oberhalb von 7.000 €.
Typische Fehler
- TVöD und TV-L verwechseln: Beide Tarifwerke haben unterschiedliche Tabellen und Sonderregeln.
- Stufenlaufzeit ignorieren: Vorgehalt zählt nicht automatisch, sondern muss bei Vertragsabschluss verhandelt werden.
- Brutto mit Netto vergleichen: Tabellenentgelt ist immer Brutto.
- Zulagen mit Tabellenentgelt zusammenrühren: Schicht-, Wechselschicht-, Ballungsraum- und Funktionszulagen kommen separat dazu.
- Jahressonderzahlung mit Weihnachtsgeld der Privatwirtschaft vergleichen: Im TVöD ist sie tariflich fest geregelt und prozentual zu unterschiedlichen Entgeltgruppen gestaffelt.
Fazit
Wer im öffentlichen Dienst arbeitet oder einen Wechsel prüft, sollte zuerst die richtige Tabelle finden (TVöD-Bund, TVöD-VKA, TV-L, TV-H) und dann Entgeltgruppe, Stufe und Wochenstunden korrekt einordnen. Erst dann ergibt der Blick auf Netto, Jahresbrutto und Lebensentwicklung der Stufen ein vollständiges Bild. Mit dem TVöD-Rechner und dem TV-L-Rechner auf Ultra-Rechner können Sie das saubere Brutto ermitteln und es per Brutto-Netto-Rechner weiter zerlegen.
Quellen
- TVöD – Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – bmi.bund.de
- TV-L – Tarifvertrag der Länder – tdl-online.de
- ver.di – Tarifinformationen für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes – verdi.de
- VBL – Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder – vbl.de