Immobilien & Wohnen

Immobilienkauf – Finanzierung, Nebenkosten, Mietrendite und Grundsteuer

Der Ratgeber verbindet Kaufnebenkosten, Annuitätenkredit, Mietrendite und Grundsteuer-Reform 2025 zu einer geschlossenen Sicht auf Kauf- und Vermietungsentscheidungen.

Aktualisiert am 21.04.2026 Zuordnung: Baufinanzierung, Nebenkosten, Mietrendite, Grundsteuer

Fünf Rechner für eine vollständige Immobiliensicht

Eine Immobilie ist keine Einzelrechnung, sondern ein Bündel zusammenhängender Posten. Wer nur den Kaufpreis betrachtet, übersieht oft die Kostenblöcke, die den größten Hebel haben. Fünf Rechner decken die wichtigsten Perspektiven ab:

Rechner Leitfrage
Baufinanzierung-Rechner Welche Monatsrate, welche Restschuld nach 10 Jahren?
Nebenkosten-Rechner Wie viel Eigenkapital geht für Kaufnebenkosten weg?
Mietrendite-Rechner Welche Brutto- und Nettorendite hat das Objekt?
Mietkaution-Rechner Was darf der Vermieter rechtlich verlangen?
Grundsteuer-Rechner Welche jährliche Steuerlast trägt das Grundstück?

Kaufnebenkosten: 8 bis 12 Prozent, je nach Bundesland

Die Nebenkosten beim Immobilienkauf setzen sich aus drei Hauptblöcken zusammen: Grunderwerbsteuer, Notar/Grundbuch und Maklerprovision. Die Grunderwerbsteuersätze sind bundeslandspezifisch:

Bundesland Grunderwerbsteuer
Bayern, Sachsen 3,5 %
Hamburg 5,5 %
Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt 5,0 %
Baden-Württemberg, Hessen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern 5,0 bis 6,0 %
Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen 6,5 %

Notar und Grundbuch liegen zusammen bei rund 1,5 bis 2,0 % des Kaufpreises. Notarkosten sind durch die Gebührenordnung (GNotKG) bundeseinheitlich festgelegt. Es lohnt sich, das gesamte Honorarverzeichnis vor Beurkundung beim Notar abzufragen, weil zusätzliche Leistungen wie Treuhandkonto oder Löschungsbewilligung gesondert berechnet werden.

Maklerprovision ist seit Dezember 2020 in Deutschland geteilt: Bei Verkauf eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung an einen Verbraucher trägt der Verkäufer mindestens den hälftigen Anteil. Üblich sind insgesamt 7,14 % brutto (3,57 % je Partei). In manchen Regionen ist auch eine geringere Provision oder ein reines Kaufpreismodell ohne Makler verbreitet.

Eine Beispielrechnung für ein Reihenhaus in Bayern, Kaufpreis 500.000 €:

Posten Berechnung Betrag
Grunderwerbsteuer 500.000 × 3,5 % 17.500 €
Notar und Grundbuch 500.000 × 1,8 % 9.000 €
Maklerprovision (Käuferanteil) 500.000 × 3,57 % 17.850 €
Summe Nebenkosten 44.350 €

Diese rund 44.000 € müssen meist aus Eigenkapital aufgebracht werden, weil Banken sie ungern mitfinanzieren („Vollfinanzierung" wird in der Regel deutlich teurer). Der Nebenkosten-Rechner bildet die landesspezifischen Sätze ab.

Baufinanzierung: Annuität, Zinsbindung, Restschuld

Eine klassische Baufinanzierung läuft als Annuitätenkredit mit Zinsbindung über meist 10, 15 oder 20 Jahre. Die monatliche Rate ergibt sich aus Darlehenssumme, Sollzins und Anfangstilgung:

  • Rate = Darlehenssumme × (Sollzins + Anfangstilgung) ÷ 12

Bei 400.000 € Darlehen, 3,5 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung sind das (400.000 × 5,5 %) ÷ 12 = 1.833 € pro Monat. Der Zinsanteil sinkt und der Tilgungsanteil steigt mit jeder Rate, weil die Restschuld kleiner wird.

Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren ist die wichtige Frage: Wie hoch ist die Restschuld am Ende der Zinsbindung?

Jahr Restschuld
0 400.000 €
5 357.000 €
10 305.000 €
15 243.000 €
20 169.000 €
25 81.000 €

Nach 15 Jahren steht eine Anschlussfinanzierung an. Der dann gültige Zinssatz ist unbekannt und kann sich deutlich vom Anfangszins unterscheiden. Wer früh mit hoher Tilgung beginnt, reduziert dieses Anschlussrisiko spürbar.

Sondertilgungen sind besonders in den frühen Jahren wirksam. 10.000 € Sondertilgung im Jahr 2 sparen über eine 25-Jahre-Laufzeit deutlich mehr Zinsen ein als 10.000 € im Jahr 18. Viele Banken erlauben 5 bis 10 % Sondertilgung pro Jahr ohne Aufpreis.

Der Baufinanzierung-Rechner zeigt Rate, Zinsanteil, Tilgungsanteil und Restschuldverlauf transparent.

Eigenkapital: nicht nur Pflicht, sondern Hebel

Banken bewerten Finanzierungen anhand der Beleihungsquote (Loan-to-Value, LTV). Je niedriger die Quote, desto niedriger der Zinssatz. Typische Bänder:

Beleihungsquote Zinszuschlag (Größenordnung)
bis 60 % Basiszins
bis 80 % +0,15 bis +0,30 %
bis 90 % +0,30 bis +0,60 %
100 % +0,60 bis +1,00 %
über 100 % (mit Nebenkosten) +1,00 % und mehr

Wer also Nebenkosten und 20 % des Kaufpreises selbst trägt, bekommt nicht nur eine kleinere Kreditsumme, sondern oft auch einen messbar günstigeren Zinssatz. Über 25 Jahre Laufzeit machen 0,5 % Zinsdifferenz schnell mehrere zehntausend Euro aus.

Mietrendite: brutto, netto, und der Unterschied dazwischen

Für vermietete Objekte ist die Rendite die wichtigste Kennzahl. Drei Begriffe sind in der Praxis verbreitet:

  • Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
  • Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Nebenkosten) × 100
  • Eigenkapitalrendite = (Jahresüberschuss nach Zinsen) ÷ eingesetztem Eigenkapital × 100

Eine Beispielwohnung kostet 300.000 €, hat 10.500 € Jahresnettokaltmiete und 27.000 € Nebenkosten. Nicht umlegbare Kosten pro Jahr (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage, Mietausfallwagnis) belaufen sich auf rund 2.000 €:

Kennzahl Berechnung Wert
Bruttomietrendite 10.500 ÷ 300.000 3,50 %
Nettomietrendite (10.500 − 2.000) ÷ 327.000 2,60 %

Ohne den Blick auf die Nettorendite sieht das Objekt deutlich besser aus, als es real ist. Der Mietrendite-Rechner gibt beide Werte aus, damit Sie auf der ehrlichen Seite rechnen.

Grundsteuer-Reform 2025: drei Faktoren, mehrere Modelle

Mit dem 1. Januar 2025 wurde die Grundsteuer in Deutschland reformiert. Die Berechnung folgt im Bundesmodell drei Schritten:

  1. Grundsteuerwert wird neu festgestellt (über das Finanzamt) – aus Bodenrichtwert, Grundstücksgröße, Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr.
  2. Grundsteuermesszahl (gesetzlich festgelegt, z. B. 0,031 % für Wohngrundstücke).
  3. Hebesatz der Gemeinde (sehr unterschiedlich, oft zwischen 250 % und 1.000 %).

Endformel: Grundsteuer = Grundsteuerwert × Messzahl × Hebesatz.

Einige Bundesländer nutzen abweichende Modelle:

Bundesland Modell
Bundesmodell Bremen, Berlin, Brandenburg, MV, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Bayern Flächenmodell (rein flächenbezogen)
Hamburg Wohnlagenmodell
Hessen Flächen-Faktor-Modell
Niedersachsen Flächen-Lage-Modell
Baden-Württemberg Bodenwertmodell

Die Hebesätze haben viele Gemeinden für 2025 neu festgesetzt – meist aufkommensneutral, im Einzelfall aber auch nach oben oder unten verändert. Der Grundsteuer-Rechner hilft beim Überschlag im Bundesmodell und gibt die wichtigsten Werte aus dem Steuerbescheid wieder.

Mietkaution: 3 Nettokaltmieten als Obergrenze

Bei Wohnraummietverträgen ist die Mietkaution gesetzlich begrenzt: höchstens drei Nettokaltmieten. Sie darf vom Mieter in drei gleichen Monatsraten gezahlt werden. Der Vermieter muss die Kaution getrennt vom eigenen Vermögen anlegen, üblicherweise zum üblichen Zinssatz für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist.

Der Mietkaution-Rechner berechnet aus der vereinbarten Nettokaltmiete die maximale Kaution und die monatlichen Teilraten.

Typische Fehler beim Immobilienkauf

  • Nebenkosten zu niedrig planen: Wer mit „etwa 5 %" rechnet, übersieht regelmäßig die Maklerprovision.
  • Anschlussrisiko verharmlosen: Eine 1,5 %-Tilgung bei 10 Jahren Zinsbindung bedeutet hohe Restschuld bei Anschluss.
  • Bruttorendite mit Nettorendite verwechseln: Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfall sind real.
  • Grundsteuer unterschätzen: Sie ist laufend und nicht umverhandelbar.
  • Vollfinanzierung ohne Eigenkapital: Möglich, aber meist deutlich teurer.

Fazit

Eine ehrliche Kaufentscheidung braucht den Blick auf alle Bausteine: Kaufpreis, Nebenkosten, Finanzierung, Mietrendite, Grundsteuer. Mit den fünf Rechnern auf Ultra-Rechner können Sie diese Perspektiven einzeln durchspielen, ohne in einer überladenen Universal-Maske die Übersicht zu verlieren.

Quellen

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten typischerweise?

Insgesamt 8 bis 12 Prozent des Kaufpreises. Davon entfallen 3,5 bis 6,5 % auf die Grunderwerbsteuer (bundeslandabhängig), 1,5 bis 2,0 % auf Notar und Grundbuch und 0 bis 3,57 % auf Maklerprovision (je nach Bundesland und Vereinbarung).

Was bedeutet eine 2-Prozent-Tilgung wirklich?

2 % Anfangstilgung bei 200.000 € Darlehen heißt: im ersten Jahr werden 4.000 € getilgt. Durch den Zinseszinseffekt steigt der Tilgungsanteil über die Jahre, weil die Restschuld sinkt – die effektive Laufzeit beträgt bei 3,5 % Zins und 2 % Anfangstilgung rund 25 bis 26 Jahre.

Wie wird die Grundsteuer nach der Reform 2025 berechnet?

Über drei Faktoren: Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz. Der Grundsteuerwert wird im Bundesmodell aus Lage, Größe, Gebäudetyp und Bodenrichtwert abgeleitet. Mehrere Bundesländer (Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg) nutzen abweichende Landesmodelle.

Lohnt sich der Kauf einer vermieteten Immobilie?

Das entscheidet die Nettorendite nach allen Bewirtschaftungskosten – nicht die Bruttorendite. Wer mit Mietausfallwagnis (2 %), Verwaltung (300–500 € pro Jahr) und Instandhaltungsrücklage (8–15 €/m² pro Jahr) ehrlich rechnet, sieht ein realistischeres Bild.

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Grundsteuer nach dem Bundesmodell grob aus Grundsteuerwert, Messzahl und Hebesatz berechnen.